
Die Firma Lassner war ein Plisseebetrieb, mit mehr als einhundert Jahren Erfahrung. Die Firmengründung erfolgte als Einzelfirma Ende der achtzehnhundertneunziger Jahre in Breslau. Die Kriegsflucht führte die Familie 1945 nach Bad Hersfeld, wo sogleich die Plisseefertigung von Otto und Elfriede Lassner wieder aufgenommen und angeboten wurde. Sohn Klaus und Ehefrau Helma übernahmen den Betrieb Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die immer stärker werdende Massenkonfektion rechtfertigte nun den Einsatz von Plisseemaschinen.
Insbesondere in den achtziger Jahren erfolgte ein großer Plissee-Boom; zeitweise waren jetzt über hundert Mitarbeiter bei der O. & E. Lassner KG beschäftigt. Ende des zwanzigsten Jahrhunderts übernahmen die Tochter Birgit und Ihr Ehemann Harald Lassner die Firma.
Birgit Lassner wusste, als Modedesignerin, dass man den Designern, als Kunden für Plissee möglichst attraktive, farbige Mustervorschläge unterbreiten sollte. Bei guten Stammkunden erfolgte dies durch Zusendung plissierter Stoffmuster; bei Neukunden, oder solchen die es werden sollten, griff man zunächst auf ausgedruckte Bilder von eingescannten Stoffmustern zurück, um das Interesse zu wecken.
Der Druck auf dem „modernen“ Tintenstrahldrucker erwies sich als qualitativ mäßig und bei etwas größeren Stückzahlen zu teuer. Andererseits waren alle Anfragen bei Druckereien immer wieder nicht zufriedenstellend, denn die etwa benötigten 200 Exemplare (wenn man alle in Deutschland ansässigen, in Frage kommenden Textilbetriebe anschreiben wollte) sollte beispielsweise 985,- DM kosten. „Nehmen Sie doch 1.000 Stück“, hieß es dann immer wieder, „die kosten auch nur 990,- DM“. Der herkömmliche Offsetdruck hatte damals sehr hohe Vorkosten, bevor man überhaupt eine einzige Vierfarbseite drucken konnte; das Papier und die Farbe hingegen war kein wesentlicher Kostenfaktor.
Da wir selbst an hochwertigen Drucksachen in kleinen Auflagenbereichen interessiert waren und davon gehört hatten dass es der neue, sogenannte Digitaldruck auf den Markt gekommen war, wurden wir hellhörig.
Die schon lange bekannte „Auslandsflucht“ im Textilgewerbe führte daher zur Gründung eines „zweiten Standbeines“.

Ende des Jahres 1997 / 1998 wurde eine der ersten Digitaldruckmaschinen Deutschlands des Herstellers Indigo in Bad Hersfeld in Betrieb genommen. Gleich zu Anbeginn fanden sich hochmotivierte Kunden, wie beispielsweise ein auf hochqualitative Werkezuge und Reinigungsmittel spezialisiertes Vertriebsunternehmen, die den Digitaldruck nutzen, um ihre eigenen Waren auch für ihre Kunden zu personalisieren.
Sehr schnell zeigte sich aber, dass die industrielle Version des Digitaldrucks von mehreren Seiten Konkurrenz bekommen sollte, wie etwa den immer stärker werdenden Office-Farbdruckern. So wurden auch eigene Produkte kreiert, wie die Stadtspiele. Dies war eine Kombination aus Wissensquiz und memoryartigen Spielen. Die Stadtspiele waren sehr begehrt, so dass jahrelang mehrere Außendienstmitarbeiter davon leben konnten. Doch die Nachfrage nach herkömmlichen Brettspielen wurde, nach und nach im Wesentlichen durch Onlinespiele verdrängt.
Nichts destotrotz stellten wir rund 500 verschiedene Stadt- und Gemeindespielen her.
Die hochspezialisierte Digitaldruckerei mit überwiegend „eigenen Produkten“ brachte eine gewisse Stabilisierung der extremen Auftragsschwankungen im Textilbereich.
Eine Anekdote über lebensnahe Entwicklungsschritte:
Ein weiteres über Jahre beliebtes Eigenprodukt wurden die bekannten „Scout-Schulsticker“, welche von 1998 bis 2015 von uns hergestellt wurden und die „Step by Step Sticker“, welche bis Ende des Jahres 2020 produziert wurden.
Die Schulsticker waren kleine Adresskärtchen und Namensaufkleber für Kinder zur Einschulung, vor allem auch als Aufkleber zum Beschriften von Heften und Büchern.
Während anfänglich diese Sticker noch per Postkarte bestellt wurden und die Adressen einzeln abgetippt werden mussten, entwickelte sich im Lauf der Jahre ein Onlineshop für die Sticker, bei welchem die Eltern sich selbst das Hintergrundmotiv auswählten und die Adresse selbst eintippten.
Als funktionierender Onlineshop fragten die Lassners 2012 bei Scout an, ob man auch Zubehör, wie etwa die passenden Regenschirme, oder Sporttaschen in diesem Shop mit anbieten dürfe.
Im Verlauf dieses Gespräches erfuhren die Lassners von einem neuen Geschäft, welches sich auf die Beratung von Schulranzen spezialisiert hatte. Vor der Eröffnung dieses neuartigen Ladengeschäftes in Norddeutschland wurden Schulranzen sozusagen als Nebenprodukt für wenige Wochen, um Ostern herum, vom Schreibwaren- und Lederwarenhandel angeboten. Oftmals hatten diese Händler sogar nur eine Marke, oder ein Modell von Schulranzen, so dass eine Beratung gar nicht möglich war.
Die Idee eines Fachgeschäftes, mit der Auswahl führender Schulranzen-Marken mit der Beratung zum passenden Schulranzen gefiel so gut, dass im November 2012 das erste Ladengeschäft von Lassners SchulZeit in Bad Hersfeld eröffnet wurde und zwar im ehemaligen Fabrikationsgebäude für Plissee, welches schon nur noch teilweise für die Textilveredelung benutzt wurde.
Das zweite Ladengeschäft in Frankfurt folgte dann im Oktober 2014 und die Filiale in Viernheim wurde im November 2018 eröffnet.
Die Anfertigung von Schulstickern wurde nach über zwanzig Jahren Ende 2020 eingestellt und die Produktion von Plissee wurde Ende des Jahres 2021 nach über 100 Jahren beendet.
Lassners SchulZeit ist heute darauf spezialisiert, bei der Auswahl eines bestmöglich zu einem Kind passenden Schulranzen zu beraten. Seit dem Aufkommen der Schulranzen-Fachgeschäfte haben die Schulranzenhersteller ihre Produkte immer weiterentwickelt und verbessert. Aus den einstmals viereckigen bunten Kästen welche mit Riemen auf den Rücken geschnallt wurden, sind mittlerweile ergonomische High-Tech-Schulranzen geworden, mit unterschiedlichsten Ein- und Verstellmöglichkeiten.
Die richtige Passform eines Schulranzens zum Rücken ist keine Frage des Preises, oder einer Marke. Wichtig ist das Anprobieren der unterschiedlichen Modelle für einen guten Start in den neuen Lebensabschnitt.

